Freitag, 28. Februar 2014

Wenn der Bock zum Gärtner wird: Unvereinbarkeit auf Österreichisch

Der Bock wird schon in barocken Emblemen dargestellt, wie er in Parkanlagen die jungen Triebe nascht. Ein Bock als Gärtner ist somit ein Widerspruch in sich selbst

Der Bock als Gärtner

Exkurs anlässlich des Wiener Opernballs: Eigentlich sollte in unserem geliebten Operettenstaat Chaos herrschen, wenn man bedenkt, dass der Sektionschef aus dem Finanzministerium zum Rechnungshof-Prüfer wird, der korrupte Ministerialrat zum Leiter der Bundes-Buchhaltungsagentur, die Grasser-Assistentin zur Geschäftsführerin des BRZ, der Abgeordnete zeitgleich zum Beamten im Bundeskanzleramt: Aber das ist halt Österreich: Wir lieben das imperiale Machtgehabe und wenn die Hausmeisterin dann auf den Rängen beim Opernball für ein Würstel mit Bier sitzen darf, dann ist wieder alles in BESTER ORDNUNG: Es ist sehr schön und hat uns sehr gefreut!
 
Beim Thema "Buchhaltung auf Österreichisch" darf nicht unerwähnt bleiben, dass jüngst bekannt gegeben wurde, dass der "Budget"-Sektionschef aus dem österreichischen Finanzministerium sich nun erfolgreich als Abteilungsleiter im Rechnungshof beworben hat.
 
Das erinnert an andere berühmte Personalrochaden in Österreich:
 
Im Mai 2006 wurde eine wichtige Kabinetts-Mitarbeiterin des Finanzministers Grassers zur Geschäftsführerin des Bundesrechenzentrums ernannt
 
Im August 2008 wurde ein Ministerialrat zum Leiter der Buchhaltungsagentur ernannt. Er wusste dann nicht mehr, wo die 60 AMS-Millionen hin verschwunden waren.
 
Im November 2008 wurde ein Beamter des Finanzministeriums (früher BMVIT) Geschäftsführer der Buchhaltungsagentur, damit waren die 60 Millionen des österreichischen Arbeitsmarktservice endgültig im Atlantik bzw. Golf von Mexico versenkt worden. Es gilt die amerikanische Unschuldsvermutung.
 
August 2006: Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe Adria AG tut seinem Willen kund, in den Aufsichtsrat zu wechseln. Man(n) kontrolliert sich selbst.
 
Im Herbst 2013 wurde bekannt, dass ein roter Nationalrats-Abgeordneter auch einen 20-Stunden-Job als Beamter im seinem roten Bundeskanzleramt erhält. Wie sagt man so schön in Österreich: Die Job-Vergabe auf Regierungs-Ebene ist laut österreichischer Bundesverfassung sehr "Situations-Elastisch".
 
Im Februar 2014 erfuhr die österreichische Bevölkerung aber von einem genialen Streich betreff Personalrochaden im Celebrity Centre der HOCHFINANZ:
 
Das Bundesministerium für Finanzen bestätigt den Wechsel
von Sektionschef Dr. Gerhard Steger zum Rechnungshof per 1. April
2014. Interimistischer Nachfolger wird sein Stellvertreter Mag.
Manfred Lödl. Finanzminister
Michael Spindelegger zum Wechsel:
"Sektionschef Gerhard Steger hat über viele Jahre als Leiter der
Budgetsektion für das Finanzministerium große Dienste geleistet,
wofür ihm mein aufrichtiger Dank gebührt. Mit der
Haushaltsrechtsreform hat er in den vergangenen Jahren einen
entscheidenden Beitrag geleistet für eine moderne Budgetsteuerung,
die Österreich zu einem internationalen Vorreiter macht", setzt
Spindelegger fort. Steger gelte "über alle Parteigrenzen hinweg als
erfahrener Experte in Budgetfragen, der ein ausgezeichnetes Team
geleitet hat" so Spindelegger, der dem Sektionschef viel Erfolg für
seine neuen beruflichen Herausforderungen wünscht.
 
 
 
Mächtiger Sektionschef aus dem Finanzministerium (verantwortlich für die Steuer-Geldverteilung seit 1997) wechselt als Prüfer in den Rechnungshof
 
Gerhard Steger, mächtiger Sektionschef im BM für Finanzen und seit 1997 Verantwortlicher für den Bundesvoranschlag (in der Praxis auch für den Bundesrechnungsabschluss) ist sauer, weil im Finanzministerium zu wenig gespart wird:
 
Er wechselt in eine hohe Position im Rechnungshof und überprüft seine Tätigkeit der letzten 16 Jahre selbst: Das ist FINANZMARKT-AUFSICHT und BUDGET-KONTROLLE auf Österreichisch.
 
Ich werde jetzt auch meine Einnahmen- und Ausgaben-Rechnung selbst überprüfen, damit das Finanzamt eine klare Vorgabe und ein Zertifikat von meiner Seite hat.
 
Zum Wechsel des hohen Beamten schreibt ein Kurier-Leser:
 
Das ist der einzige der von der Sache was versteht! Ende Zitat
 
Was meint er damit? Welche Sache? Die Bundeshaushaltsverrechnung auf SAP? Sind da nicht die NachrichtentechnikerInnen die besseren Spezialisten und Spezialistinnen - siehe SAP-Betrieb im Bundesrechenzentrum.
 
Ein Standard-Leser bzw. eine Leserin (isarinn) kommentiert wie folgt:
 
Perfekte Bananenrepublik

Wenn Kulterer als Vorstand abtritt und Aufsichtsrat wird hat man zurecht aufgeschrien.
Wenn der oberste Beamte der Republik und Budget - Hauptersteller sich im Rechnungshof in den nächsten Jahren selbst kontrollieren will, findet niemand etwas dabei. Der Rechnungshofpräsident gratuliert sogar.
In Österreich gibt es für Beamte keine Unvereinbarkeit.
Sonderliche Zustände sind das.
Die obersten Beamte sind die wahren Herrscher in diesem Land.
Sie regieren Jahrzehnte alleine und unkontrolliert ihre Reiche und haben mehr Macht als die Queen. Donau-Monarchie mit einem Parlament als Demokratie Dekoration
. Ende Zitat