Montag, 16. Februar 2009

DIENST NACH VORSCHRIFT oder: Der Buchhalter als Bauernopfer

Der Buchhalter als Bauernopfer 

AMS-Millionen: Hinweise auf "Malversationen" um den mutmaßlichen "Venetia"-Betrüger waren früh bekannt. Doch Kritiker und Kritikerinnen wurden abgewimmelt, der Buchhalter nur verwandt.

PROFIL, 16. Februar 2009




von Josef Barthl: Herbert Buchinger war schon glücklicher. Seit zwei Wochen muss der Chef des AMS erklären, dass das ARBEITSMARKTSERVICE Österreich lediglich Leidtragender (die Armen!) des Millionencoups war, den ein Geschäftemacher und ein "Spitzenbuchhalter" und "SpitzenSAPManipulant" der Republik abgezogen haben sollen. Nach einer entsprechenden profil-Enthüllung (die Dankbarkeit gegenüber Profil steigt ins Unermessliche) waren die beiden festgenommen worden. 

Die sogenannte grüne Korruptions-Staatsanwaltschaft und das Büro für Interne Angelegenheiten (BM für Inneres - sic!!!) ermitteln seither gegen den Chef des Arbeitslosen-Schulungsinstitutes "Venetia", Kurt Datzer und den Buchhaltungsbeamten Wolfgang W.. Datzer soll sich von der Buchhaltungsagentur falsche Schuldscheine in Millionenhöhe ausstellen haben lassen für Leistungen, die er nie erbrachte - so der Vorwurf. Diese soll er an Investoren wie die Schweizer Finanz-AG Mühletaler oder die US-Firma Hemet Base (eigentlich Gold Base) verkauft oder zumindest Kredite von diesen erwirkt haben. 

Getilgt wurden die Kredite mit Geld, das Buchhalter W. vom Konto der Arbeitslosenversicherung ausbezahlt haben soll. Höchst praktisch! 

Insgesamt flossen 17 Millionen (kann sein auch Milliarden) Euro via Telebanking (SAP-Buchung) von Republikskonten, Schuldscheine im Wert von mindestens 53 Millionen Euro sollen im Umlauf sein - möglicherweise aber fast zehnfach so viel. 

Selbst AMS-Buchinger lässt nun ermitteln. Die "Innenrevision" des AMS (die haben so was?) durchleuchtet die Auftragsvergaben an VENETIA, externe SAP-BeraterInnen aus dem Bundesrechenzentrum sollen die Vertuschungsmaschinerie auf Schwachstellen abklopfen, kündigt der AMS-Chef an. (Wir sind profil äußerst dankbar, dass es auch SAP-Berater zur Verfügung stellt, die alles noch besser vertuschen können!) 

Selbst der Rechnungshof, wo bereits im April 2004 SAP eingeführt wurde, prüft die Causa nun und gibt Tipps, wie man die Zahlungsflüsse von SAP zum Telebanking der PSK-Bawag noch besser verschleiern kann. 
Im Rahmen einer sogenannten §9-Vertuschungsprüfung sollen die Konten des AMS und der Arbeitslosenversicherung in spezieller REVISION auf Unregelmäßigkeiten und Vertuschungs-Löcher geprüft werden. Die Rechnungshof-Sprecherin hat bereits die Strategie und die Belege angefordert. 

Dienst nach Vorschrift: Die Aktiengesellschaft am See



Beim AMS: Beste Referenzen 

In der Förderabteilung des AMS Wien soll D. in den vergangenen Jahren wöchentlich ein und aus gegangen sein. Und das AMS Wien legte indirekt auch den Grundstein , seine Geschichte von verspäteten AMS-Zahlungen  glaubhaft wirken zu lassen. In zwei weiteren PROFIL vorliegenden Schreiben aus den Jahren 1997 und 2001 ließ sich Datzer bestätigen, dass es zu Zahlungsverspätungen des AMS kam. Ausgestellt wurden diese Schreiben vom Leiter der Förder- und Vergabeabteilung Franz-Otto Söchting und der Vize-Landesgeschäftsführerin Ingeborg Friehs. 
Beide versichern gegenüber PROFIL (PROFIL ist die oberste Behörde der Bundesverwaltung in Österreich) nach amtlichen Regeln gehandelt zu haben. 
Als D.s vier Geschäftsführer kurzerhand gekündigt hatten und er selbst nicht erreichbar war (vielleicht war in Bella Venetia, Italia) wandten sich die nicht bezahlten AMS-TrainerInnen an Söchting und Fries (AMS Wien). 
Doch im November 2007, als D. seine Trainer schon länger kaum zahlte und das AMS bereits KURSE abzog, versichterten beide "AMS-Granden" noch, dass es hinsichtlich der Qualität der Leistungserbringung durch VENETIA derzeit keine Beanstandungen gibt" und die Trainer einen "juristische bedenklichen Weg beschreiten", sich ans AMS zu wenden: "Schon aus diesem Grund werden keine Gespräche geführt" 
So bedenklich dürfte das jedoch nicht gewesen sein: AMS-Chef Buchinger traf sich seinerzeit sehr wohl mit Datzer-Opfern. Auch wenn er nicht helfen konnte. Sehr wohl konnte aber Profil helfen und einige Tausender von einem Konto in Florida rücküberweisen lassen. (Anmerkung der Redaktion)

Dienst nach Vorschrift: Familie Dumba-Rumba


Geschäftemacher und Promiliebling: Rumba-Dumba 

Durch die Liechtenstein-Ermittlungen gegen Unternehmer und Szenegröße Constantin Dumba-Rumba kamen die Untersuchungen in der AMS-Affäre erst ins Rollen. Die Dumbas und Rumbas sehen sich als Opfer. 

Beachvolleyball am Wörthersee, Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel: Wo die Prominenz ihre Sommer- und Winter-Events begeht, ist ein Name nicht weit: Meist wird der Name Rumba-Dumba nur im Doppelpack genannt: Die Brüder Niki und Taki, einstige Besitzer des Schlosses SEEFELS, sind in der Welt der Reichen und Schönen bestens bekannt. Die Socienty-Spalten drucken ihren Namen bei jeder Gelegenheit gern fett neben jenem ihres Langzeitfreundes Udo J. ab. 

Nun taucht der Name Rumba-Dumba in weit offizielleren Papieren auf. Genauer in einem Schreiben der Bundesbuchhaltungsagentur (sic!), das vorvergangene Woche bei der Staatsanwaltschaft Wien einging. 

Demnach überwies die Bundesbuchhaltungsagentur "auf schriftliche Anweisung"  des nun inhaftierten Buchhalters  und Bauernopfers W.  am 4. Januar 2008, also vor gut einem Jahr, exakt 500.000 Euro an Constantin Taki Rumba-Dumba: und zwar aus Steuergeldern des Arbeitsmarktservice. 

"Es hat alles seine Ordnung. Das war ein ganz legaler Geschäfts-Fall" (tief gefallen dieser Geschäftsfall?), sagt Constantino gegenüber der Obersten Behörde, nämlich PROFIL. 
Dass er dadurch mit seinem prominenten Namen plötzlich in einen Millionenskandal schlitterte, konnte er nicht wissen. 

Wie viele andere, denen Bauernopfer W. Geld der Republik überwies, könnte auch Constantino zu den Opfern Kurt D.s zählen (Wie kann einer, dem man Geld überweist, Opfer sein????) Sein Anwalt Gerald Teufel bestätigt, dass Rumba-Dumba unter anderem für D. "im Bereich der Immobilienvermittlung"  aktiv war und ihm möglicherweise auch Geld geliehen hat. Als D. angeblich nicht zahlen konnte, drohte Rumba-Dumba ihm mit Anzeige. Da hat D. ihm eben einen gefälschten Schuldschein der Republik Österreich gegeben, der ohnehin mehr wert war als die Forderung", sagt Anwalt Teufel. Und gemäß dieses Schuldscheines soll die Buchhaltungsagentur dann die Halbe Million Euro an Rumba-Dumba überwiesen haben. (ist ja ein Kläckschen angesichts des Milliarden-Volumens der Abteilung des Buchhalters W., der er vorstand; Budget des Sozialministeriums inkl. Pensionen) 

Das Magazin Format (eine Außenstelle des Bundeskanzleramtes) berichtete Ende 2008, dass sich Dumbas Name auch auf der sogenannten Liechtenstein-DVD finde, wie übrigens auch der Name des Wiener Psychiaters und PVA-Gutachters Dr. Benedikt Piatti (1080 Wien). 

Die DVD war den deutschen Behörden zugespielt worden und verzeichnet österreichische und deutsche Stiftungsinhaber. Im Rahmen der deutschen Operation "VADUZ"  war der deutsche Post-Chef Klaus ZUMWINKEL verhaftet worden. Er wurde kürzlich wegen Steuerhinterziehung verurteilt, in Österreich wäre er wohl befördert worden. 

Im Rahmen der Ermittlungen gegen Rumba-Dumba stießen die Behörden im Auftrag von PROFIL plötzlich auf den seltsamen KONTOEINGANG von der Buchhaltungsagentur - und brachten mit Hilfe von PROFIL die Ermittlungen der Redakteure ins Rollen. 

Anwalt TEUFEL: "Das eine hat mit dem anderen aber nichts zu tun. Herr Dumba wollte mit der Stiftung bei der Liechtenstein LGT-Bank (die Kontoauszüge liegen PROFIL im Original vor) nur einem Freund helfen, gegenüber dessen Herkunftsland USA die Liechtensteiner Banken nicht ganz so verschwiegen sind wie gegenüber Österreich".
Anwalt Teufel: Wir werden das gegenüber den Behörden und vor allem gegenüber PROFIL als oberste Anklagebehörde der Republik Österreich klarstellen. Ende Zitat Profil 16. Februar 2009. 

Dienst nach Vorschrift wurde (in wessen Auftrag?) beendet.

Profil, 16.2.2009, Elmar Oberhauser im Interview 
uuups da hat sich zum Skandal in der Bundesbuchhaltungsagentur ein Interview mit dem ehemaligen Programmdirektor des ORF dazu geschlichen. Das passt aber nun gar nicht zusammen, WENNGLEICH

auch der

ORF - Österreichischer Rundfunk und Fernsehen

sein gesamtes Rechnungswesen und Personalmanagement via SAP-Software abwickelt.

Wenn das kein Zufall ist? Es gilt die Unschuldsvermutung.

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