Montag, 2. Februar 2009

Bei Knopfdruck Geld: Ein "Spitzenbeamter" steht im Zentrum eines 60-Millionen-Coups mit Arbeitsamtgeldern

Bei Knopfdruck Geld 

PROFIL vom 2. Februar 2009 berichtet exklusiv: 

Ein "Spitzenbeamter" der Buchhaltungsagentur (früher Buchhalter im Bundessozialamt Wien) soll fast 17 Millionen Euro an AMS-Geldern illegal verschoben haben: mittels SAP-Systemen in der Buchhaltungsagentur, via SAP-Zahlungsverkehr und Telebanking. 

Eine Kollegin soll ihm das SAP-Passwort gegeben haben. Eine andere Kollegin aus dem Bundesrechenzentrum ist sicherheitshalber bereits am 7. Januar 2009 an einem Wiener Bezirksgericht entmündigt worden. 


PROFIL, 2. Februar 2009 Seite 30 
Am Ende wirkte er erleichtert, sagen Mitarbeiter, als wäre mit einem Schlag ein enormer Druck von ihm abgefallen, der sich über die vergangenen Monate aufgebaut hatte. Mit seiner vorläufigen Suspendierung als Bereichsleiter der österreichischen Bundesbuchhaltungsagentur endete für Wolfgang W. vergangene Woche ein äußerst unangenehmes Kapitel seines Lebens. Sollte sich die momentane Verdachtslage - entgegen der geltenden Unschuldsvermutung - dennoch bewahrheiten, so haben zwar Ausreden, Verschleierungen und Heimlichtuereien ein Ende, doch seine wirklichen Schwierigkeiten dürften erst jetzt beginnen. 

Bauernopfer 

Wolfgang W., einer der obersten Vermögensverwalter der Republik und früher kleiner Buchhalter im Bundessozialamt, steht im Verdacht, die Drehscheibe eines rund 60 Millionen Euro schweren Coups zu sein, der seit vergangener Woche die Kabinette dreier Ministerien, die Spitzen von Rechnungshof, Arbeitsmarktservice und Hypo Alpe-Adria-Bank sowie den Konkursrichter und - nun auch - die Staatsanwaltschaft Wien beschäftigt. 


PROFIL  2. Februar 2009: Systemfehler und SAP als "sicherstes" Budgetverrechnungssystem der Welt 
Das Finanzministerium wusste um die Sicherheitslücke in der staatlichen Buchhaltung. Sie besteht noch immer. (Na klar, Anmerkung der Redaktion) 

Das Computersystem HV-SAP gilt laut Helmut Brandl als eines der sichersten der Welt. Dennoch muss der neue Chef der Bundesbuchhaltungsagentur (Mag. Johanna Moder wurde ohne Begründung vom interimistischen Chef Christian Ihle im Sommer 2008 per Parlamentarischem Beschluss abgelöst) einräumen, dass seine Behörde Opfer eines klaren Kriminalfalls wurde. Doch man wusste um das Problem. Schon vergangenes Jahr beanstandete der Rechnungshof bei einer Prüfung der Bundesbuchhaltungsagentur massive Sicherheitslücken im System. Eine davon behob man sofort, die andere besteht bis heute - und wurde von W. genutzt. Denn trotz Vier-Augen-Prinzip und mehreren Gegencheck-Mechanismen können leitende Mitarbeiter mit dem TAN-Code einer zweiten Person MILLIONEN mittels Telebanking verschieben. Auf Knopfdruck - wie jeder Bürger beim eigenen Bankkonto. Wolfgang W. dürfte das Vertrauen seiner Kollegen ausgenutzt haben, so Brandl, und dadurch in der Lage gewesen sein, Republiksvermögen nach Belieben zu verschieben. So seien auch die 16,5 Millionen Euro abhanden gekommen. 

Dem Rechnungshof versicherte das Finanzministerium - als Chefbehörde der Buchhaltungsagentur - damals, man werde eine "Reorganisation des Zahlungsverkehrs" starten. Dazu kam es bis heute nicht. Ministeriumssprecher Harald Weiglein: "Die Buchhaltungsagentur muss den Ministerien oft schnell Geld zur Verfügung stellen, um die Liquidität sicher zu stellen. Ein hundert Prozent sicheres System gibt es nicht: Menschen in Leitungsfunktion haben immer die Möglichkeit des Missbrauchs." Man versuche das nun zu ändern. Telebanking wurde sofort gestoppt und liegt derzeit auf EIS. 

Ende Zitat PROFIL, 2. Februar 2009

Kommentar: Obiger Profil-Artikel stellt anschaulich unter Beweis, WIE die Bevölkerung in Österreich durch die Medien getäuscht wird. 

TELEBANKING auf Eis - so ein UNSINN

Die Schnittstelle zwischen SAP-Systemen und dem Telebanking der PSK-Bawag-Konten der Republik Österreich ist im Rahmen des Projektes HV-SAP aufwändig programmiert worden. 
Zuständig für den Zahlungsverkehr auf SAP-Systemen war übrigens ein Beamter im Finanzministerium, der in der Nacht zum 11. November 2003 in Wien-Landstraße, Hintere Zollamtsstrasse 4, 6. Stock, Trakt B, Zimmer 603 ums Leben kam. 
Ein Kollege von Wolfgang W. aus dem Bundessozialamt Linz (Sascha S.) und Angestellter im Bundesrechenzentrum übernahm den "Zahlungsverkehr auf SAP" mitsamt Schnittstellen zu Telebanking. Es war also von langer Hand im Bundesrechenzentrum geplant worden, einige Millionen von Österreichs Sozialmillionen für welche Zwecke auch immer "abzuzweigen". 

Bereits im Dezember 2002 erkrankte Hofrat Stefan Csoka - früher Gehirn der Republik  im Finanzministerium - schwer und musste pensioniert werden. 

Interessanterweise ist ausgerechnet im August 2008 der Zimmerkollege und Ministerialrat im BMF Herr Christian I. als interimistischer Leiter der Buchhaltungsagentur bestellt worden. Noch im Februar 2008 war in einem Standard-Artikel die langjährige Leiterin der Buchhaltungsagentur, die als Clusterbuchhaltung der Ministerienbuchhaltung am 1. Januar 2005 in Vollbetrieb ging, als "wichtigste Managerin" der Republik Österreich bezeichnet worden. Sie ist im Sommer 2008 in der Versenkung verschwunden. Eine der letzten Tätigkeiten von Finanzminister Molterer war übrigens die Bestellung von Brandl zum Leiter der Buchhaltungsagentur (November 2008). 

In einer Pressekonferenz Anfang 2009 kritisierte der grüne Abgeordnete Karl ÖLLINGER die dubiose Vergangenheit von Brandl. Öllinger hat aber einen Maulkorb bekommen. Die Aufdeckung dieses Skandals könnte ihm - als Sozialsprecher der GRÜNEN - seine politische Karriere vernichten. 

Es gilt die Unschuldsvermutung?

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